Rache verträgt sich nicht mit Edelmut – Teil 2

Rache verträgt sich nicht mit Edelmut – Teil 2
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Allâh der Erhabene betont, dass die Begnadigung eines Aggressors und das Verschließen der Augen vor seinem Vergehen besser sind als Vergeltung. Im Qurân sagt Hâbîl (Abel): „Wenn du deine Hand nach mir ausstreckst, um mich zu töten, so werde ich meine Hand nicht nach dir ausstrecken, um dich zu töten. Ich fürchte Allâh, den Herrn der Weltenbewohner. Ich will, dass du meine und deine Sünde auf dich lädst und so einer von den Insassen des (Höllen)feuers sein wirst“ (Sûra 5:28-29). Hâbîl war körperlich stärker und fähiger, Vergeltung zu fordern und (seinen Bruder Kain) zu besiegen, aber seine Furcht vor Allâh hinderte ihn daran.

Taqwâ beim Bestrafen

Ein Mensch mag es schwierig finden, auf sein Recht auf Vergeltung und Strafe zu verzichten. In diesem Fall ist es erforderlich, sich an die Gebote Allâhs des Erhabenen zu halten und die Grenzen der Vergeltung nicht zu überschreiten: „Wenn jemand gegen euch übertritt, dann geht (auch ihr) in gleichem Maß gegen ihn vor, wie er gegen euch übertreten hat. Und fürchtet Allâh und wisst, dass Allâh mit den Gottesfürchtigen ist“ (Sûra 2:194).

As-Sa‘dî (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „Da die Menschen oft keine Hemmung beim Strafen kennen, wenn ihnen das Recht dazu gegeben wird, und in ihnen die Neigung zum Rachedurst angelegt ist, befiehlt Allâh der Erhabene, dass die Taqwâ (Gottesfurcht, Gottesbewusstsein) beachtet werden muss. Das bedeutet, die Grenzen Allâhs einzuhalten und sie nicht zu überschreiten. Er teilte uns mit, dass Er mit denen ist, die Ihn fürchten: Er segnet sie mit Hilfe, Sieg, Unterstützung und Erfolg.

Negative Auswirkungen von Rache

Rache hat schlechte Auswirkungen auf den Rächer, darunter:

1)   Jemand mit einer solchen Eigenschaft kann niemals eine gesunde Autorität über andere ausüben oder Ehre erreichen. Dâwûd ibn Rashîd zitierte eine indische Weisheit: „Es gibt keinen (wahren) Sieg bei Ungerechtigkeit, noch gibt es (echte) Autorität bei Rache.“

Ibn Al-Kalbî überliefert von seinem Vater: „Salmâ ibn Naufal Ad-Diyalî, der Anführer der Banû Kinâna, wurde eines Nachts von jemandem aus seinem Stamm angegriffen, der ihn mit seinem Schwert traf. Wenige Tage später wurde er gefangen genommen und vor Salmâ ibn Naufal gebracht. Dieser fragte ihn: ‚Was hast du getan? Fürchtest du dich nicht vor meiner Rache?‘ Er sagte zu ihm: ‚Wir haben dich nur deshalb zu unserem Anführer bestimmt, weil du deinen Zorn zügelst, den Täter begnadigst, dem Ungestümen Nachsicht zeigst und Unangenehmes erträgst, wenn es um deine Person und dein Vermögen geht.‘ Daraufhin ließ Salmâ ibn Naufal ihn frei. Ein arabischer Dichter lobte ihn mit den Worten: ‚Wie vielen Menschen wird Verantwortung übertragen, obwohl sie keine wirklichen Herren sind. Der wahre Herr ist Salmâ ibn Naufal.‘“

2)   Rache zu nehmen passt nicht zu einem edlen Menschen, daher sagt man: „Es ist nicht die Gewohnheit edler Leute, sich in Rache zu übereilen. Es zu unterlassen, anderen seine Gunst zu entziehen, ist eine Voraussetzung für Edelmut.“

3)   Demjenigen, der sich für Rache entscheidet, wird nicht gedankt werden, und sein gutes Gedenken wird unter den Menschen nicht weiterleben: Al-Abschîhî zitiert ein Sprichwort: „Wer sich rächt, hat seinen Zorn befriedigt und sein Recht in Anspruch genommen. Doch kein Dank soll ihm zuteilwerden, und sein gutes Gedächtnis wird nicht unter den Menschen weiterleben.“

4)   Rache weckt Reue: Ibn Al-Qayyim (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „Nie hat sich jemand gerächt, außer dass er es später bereute.“

5)   Rächen erzeugt Hass und Groll unter den Menschen.

Racheverzicht, wenn man die Macht hat

Mu’âwiya (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) sagte zu seinem Sohn, als dieser einen seiner Sklaven schlug: „Mein Sohn, hüte dich davor, Rache an denen zu nehmen, die sich nicht wehren können. Bei Allâh, dein Vater wurde davon abgehalten, Rache an seinen Feinden zu nehmen, durch seine eigene Macht, dies tun zu können! Deshalb heißt es: ‚Macht beseitigt Groll.‘“

Al-Asma'î berichtet: „Ein Mann wurde zu Al-Mansûr gebracht, um bestraft zu werden. Dieser sagte: ‚Befehlshaber der Gläubigen! Rache ist Gerechtigkeit, aber Begnadigung ist eine Tugend. Wir suchen Zuflucht bei Allâh, dem Erhabenen, damit der Befehlshaber der Gläubigen sich nicht mit dem niedrigeren Rang (der Rache) statt mit dem höheren (der Begnadigung) zufriedengibt!“ Daraufhin begnadigte ihn Al-Mansûr.“

Ein Beduine sagte einst: „Die hässlichste Tat von Menschen, welche Macht haben, sich zu rächen, ist dies zu tun.“

Ibn Hibbân (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „Keine zwei Dinge sind besser verbunden als Begnadigung mit Macht. Wie ausgezeichnet ist Nachsicht, obwohl jemand die Möglichkeit hat, Rache zu nehmen.“

Wie bedeutungsvoll sind die Verse von Mu’âwiya ibn Abû Sufyân (möge Allâh mit ihm zufrieden sein), als er auf das Recht verzichtete, sich an denen zu rächen, die ihn beleidigt hatten: „Nichts tötet Dummheit so sehr wie Nachsicht im Angesicht der Unwissenheit. Gib nicht der Torheit nach, auch wenn du von Zorn erfüllt bist, denn Grobheit ist tadelnswert. Wende dich nicht von deinem Bruder ab wegen eines Vergehens, denn ein edler Mann entscheidet sich für Verzeihung.“

Wir bitten Allâh den Erhabenen, uns Nachsicht und Vergebung zu gewähren, wenn wir die Macht haben, Vergeltung zu fordern. Und unser abschließendes Gebet lautet: „Gepriesen sei Allâh, der Herr der Welten.“

 

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