Amâna: Zwischen Wahrung und Veruntreuung – Teil 1

Amâna: Zwischen Wahrung und Veruntreuung – Teil 1
319 60

Abû Huraira (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) überlieferte, dass der Gesandte Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) einen Mann von den Kindern Israels erwähnte, der einen anderen bat, ihm tausend Dinare zu leihen. Dieser sagte zu ihm: „Bring mir Zeugen.“ Der erste Mann antwortete: „Allâh genügt als Zeuge.“ Der andere entgegnete: „Dann bringe mir einen Bürgen.“ Der Mann sagte: „Allâh genügt als Bürge.“ Daraufhin sagte er: „Wahrlich, du hast wahr gesprochen.“ Also lieh er ihm das Geld für eine bestimmte Zeit. Der Geldleiher reiste dann über das Meer. Als er das Bedürfnis, für das er gereist war, erfüllt hatte, suchte er nach einem Boot, das ihn rechtzeitig zur Rückzahlung der Schulden zurückbringen sollte, aber er konnte keines finden. Also nahm er einen Holzblock, machte ein Loch hinein, steckte eintausend Dinare und einen Brief an den Geldgeber hinein und versiegelte dann das Loch fest. Er brachte das Holzstück zum Meer und sagte: „O Allâh! Du weißt, dass ich ein Darlehen von eintausend Dinar von Soundso annahm. Er verlangte einen Bürgen von mir, also sagte ich ihm, dass Allâh als Bürge genügt, und er war mit Dir als Bürge zufrieden. Er verlangte einen Zeugen, und ich sagte ihm, dass Allâh als Zeuge genügt, und er war mit Dir als Zeuge zufrieden. Ich bemühte mich, ein Boot zu finden, um ihm das Geld zu liefern, aber ich konnte keines finden, so vertraue ich dieses Geld Dir an.“ Er warf das Holzstück ins Meer und beobachtete es, bis es weit hineingetrieben war, dann ging er weg. Währenddessen suchte er weiter nach einem Boot, das ihn zurück in sein Land bringen sollte. Der Geldgeber kam (eines Tages) aus seinem Haus, um zu sehen, ob ein Boot mit seinem Geld angekommen war. Er sah plötzlich den Holzklotz, in dem das Geld versteckt war. Er nahm es mit nach Hause zu seiner Familie, um es als Feuerholz zu verwenden. Als er es zersägte, fand er sein Geld und den Brief darin. Dann kam der Geldnehmer mit eintausend Dinaren zu ihm und sagte: „Bei Allâh, ich habe mich sehr bemüht, ein Boot zu finden, damit ich dir dein Geld bringen kann, aber es ist mir nicht gelungen, eines zu finden, bis ich nun hierhergekommen bin.“ Der Geldgeber fragte: „Hast du mir etwas zukommen lassen?“ Der Schuldner antwortete: „Ich habe dir gesagt, dass ich kein anderes Boot finden konnte als das, mit dem ich gekommen bin.“ Der Geldgeber sagte: „Wahrlich, Allâh hat das Geld, das du in dem Holzblock geschickt hast, in deinem Namen übergeben. So behalte die eintausend Dinare und gehe auf dem rechten Weg fort“ (Al-Buchârî).

Der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) erwähnte diese Überlieferung, um seiner Gemeinschaft die Bedeutung von anvertrautem Gut und pflichtbewusster Treue zu verdeutlichen und sie in dieser schönen Wesensart zu festigen, so wie er es stets pflegte, seine Anhänger in den besten Umgangsformen zu erziehen.

Das anvertraute Gut (Amâna) hat im Islâm eine besondere Stellung. Es ist hoch angesehen bei Allâh und seine Bedeutung für die Menschen ist gewaltig. Deshalb hat Allâh der Erhabene befohlen, das anvertraute Gut zu bewahren und verantwortungsvoll zu übergeben. Allâh der Erhabene sagt: „Allâh befiehlt euch, anvertraute Güter ihren Eigentümern (wieder) auszuhändigen und, wenn ihr zwischen den Menschen richtet, in Gerechtigkeit zu richten. Wie trefflich ist das, womit Allâh euch ermahnt! Gewiss, Allâh ist allhörend und allsehend“ (Sûra 4:58). „Und wenn dann einer von euch dem anderen (etwas) anvertraut, so soll derjenige, dem (es) anvertraut wurde, das ihm anvertraute Pfand (wieder) aushändigen, und er soll Allâh, seinen Herrn, fürchten“ (Sûra 2:283).  Allâh der Erhabene untersagt die Veruntreuung von anvertrautem Gut: „O die ihr glaubt, verratet nicht Allâh und den Gesandten, und handelt nicht verräterisch in Bezug auf die euch anvertrauten Güter, wo ihr wisset!“ (Sûra 8:27) Außerdem hat Allâh der Erhabene das anvertraute Gut zu einem Wahrzeichen des Glaubens und zu einer Verantwortung der Gläubigen gemacht. Allâh der Erhabene sagt: „Und denjenigen, die auf die ihnen anvertrauten Güter und ihre Verpflichtung achtgeben“ (Sûra 23:8). Der Allmächtige wiederholt die gleichen Worte im Zusammenhang mit denjenigen, die das Gebet verrichten, und bezeichnet sie als Gläubige: „Und diejenigen, die auf die ihnen anvertrauten Güter und ihre Verpflichtung achtgeben“ (Sûra 70:32). Der folgende Vers unterstreicht jedoch am besten den Stellenwert von anvertrautem Gut: „Wir haben das anvertraute Gut den Himmeln und der Erde und den Bergen angeboten, aber sie weigerten sich, es zu tragen, sie scheuten sich davor. Der Mensch trug es – gewiss, er ist sehr oft ungerecht und sehr oft töricht“ (Sûra 33:72).

So sieh, wie die Himmel und die Erde sich fürchteten, das anvertraute Gut zu tragen. Sie scheuten sich angesichts der Strafe und der schmerzhaften Qualen, die sie erleiden würden, sollten sie in dieser Hinsicht nachlässig sein.
 

Verwandte Artikel