Fragt nicht nach Dingen, die, wenn sie euch gezeigt werden, euch leidtun! Teil 2

Fragt nicht nach Dingen, die, wenn sie euch gezeigt werden, euch leidtun! Teil 2
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In einer dritten Version, die von At-Tabarî und At-Tabarânî unter Berufung auf Abû Umâma Al-Bâhilî (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) angeführt wird, fragte der Prophet, wer die Frage (über die Pilgerfahrt) gestellt hätte. Ein Beduine sagte, dass er es war. Da sagte er (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zu ihm: „Wehe dir! Was macht dich sicher, dass ich nicht Ja sagen werde? Und wenn ich Ja sagen würde, dann wäre es für euch verpflichtend und ihr würdet Kufr (Ablehnung) begehen (falls ihr es nicht tut). Fürwahr, diejenigen vor euch wurden nur durch solche Menschen ruiniert, die (durch unnötige Fragen ihrem Volk) Unannehmlichkeiten bereiteten. Bei Allâh! Wenn ich euch alles, was auf der Erde ist, erlaubt und nur eine Stelle (so groß) wie ein Schuh (Chuff) harâm machte, würdet ihr (in den verbotenen Bereich) hineintreten.“ Daraufhin sandte Allâh der Erhabene herab: „O die ihr glaubt, fragt nicht nach Dingen, die, wenn sie euch offengelegt werden, euch leidtun, wenn ihr nach ihnen fragt zu der Zeit, da der Qurân offenbart wird, sie euch (gewiss) offengelegt werden, wo Allâh sie übergangen hat. Und Allâh ist Allvergebend und Nachsichtig.“

Al-Haithamî (Allâh erbarme sich seiner) sagte in „Madschma Az-Zawâ’id“: „At-Tabarânî überliefert dies in „Al-Mu‘dscham Al-Kabîr“ mit einer hasan-dschayyid Überlieferungskette (guter Isnad). Al-Hâfidh Ibn Hadschar machte keinen Kommentar dazu in „Al-Fath“. Al-Hâfidh Ibn Kathîr sagte in „Tafsîr Al-Qurân Al-Adhîm“, dass die Überlieferungskette schwach sei.“ Dies sind die Überlieferungen, die in diesem Zusammenhang berichtet wurden. Die Mehrheit der Tafsîr-Gelehrten führt diese Überlieferungen bei ihrer Interpretation des Verses an. Dazu verfassten sie folgende Kommentare:

1) Die Hadîth-Gelehrten sagten in Bezug auf den Bericht von Alî (über die Frage, ob der Haddsch jedes Jahr verrichtet werden solle), dass die Überlieferungskette schwach sei. Als Argument für den Anlass der Herabsendung des Verses könne er daher nicht gelten.

2) Ibn Âschûr (Allâh erbarme sich seiner) kommentiert den Hadîth von Ibn Abbâs (der bei Al-Buchârî vorkommt), dahingehend, dass dies als Grund für die Herabsendung höchst unwahrscheinlich sei. Offenkundig spiegle die Aussage von Ibn Abbâs („einige Leute stellten dem Gesandten Allâhs Fragen aus Spaß“) seine persönliche Ansicht wider. Dies wird dadurch unterstützt, dass diese Ansicht von Ibn Abbâs nicht mit der von Anas und Abû Mûsâ Al-Asch‘arî übereinstimmt. Denn diese waren der Meinung, dass der Grund für die Herabsendung das unmäßige Stellen unnötiger und nutzloser Fragen sei.

3) Der Hadîth von Abû Mûsâ (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) ist ein allgemeiner Hinweis, und dieser Hadîth wird durch den Hadîth von Anas (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) weiter erklärt. Dieser hat viele Überlieferer, ist weithin bekannt und stimmt mit dem Kontext des Verses offensichtlich überein. Die Aussage Allâhs des Erhabenen (O die ihr glaubt, fragt nicht nach Dingen, die, wenn sie euch offengelegt werden, euch leidtun, wenn ihr nach ihnen fragt zu der Zeit, da der Qurân offenbart wird, sie euch (gewiss) offengelegt werden, wo Allâh sie übergangen hat. Und Allâh ist Allvergebend und Nachsichtig. Leute vor euch haben schon danach gefragt, doch dann wurden sie ihretwegen ungläubig; Sûra 5:101-02) stimmt mit dem Hadîth überein, der von Sa’d ibn Abû Waqqâs überliefert wurde. Dieser berichtete nämlich, dass der Gesandte Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Der Muslim, der anderen Muslimen das größte Vergehen zufügt, ist derjenige, der nach etwas fragt, das nicht verboten war, worauf es durch sein Fragen für verboten erklärt wird“ (Al-Buchârî; Wortlaut nach Muslim).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Anlass für die Herabsendung so ist, wie es im Hadîth von Anas angesprochen wurde: übermäßige Fragen, welche die Menschen dem Gesandten Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zu stellen pflegten. Dies gilt aufgrund der Authentizität der Überliefererkette, seiner Übereinstimmung mit dem qurânischen Kontext und der Unterstützung, die dies durch den Bericht von Sa’d ibn Abû Waqqâs (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) erhält.

Erwähnenswert ist, dass Al-Hâfidh Ibn Hadschar (Allâh erbarme sich seiner) in „Fath Al-Bârî“ sagte: „Es spricht nichts gegen die Behauptung, dass all diese berichteten Ereignisse gleichermaßen ein Anlass für die Herabsendung dieses Verses waren: Der Vers wurde aufgrund der übermäßigen Fragen herabgesandt, ob dies nun durch Spott, neugieriges Fragen oder aus halsstarrigem Nachbohren geschah: Bei Letzterem könnte etwas zulässig bleiben, wenn man es unhinterfragt lässt.“

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